Hat Intelligenz etwas mit Glück zu tun?


Gefühlt
14 April, 2008, 12:29
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Ein Mensch, ein noch recht junger Mensch. Gerade mal am Anfang des Erwachsenseins.

Wie fühlt sich ein Mensch, der in Traurigkeit auf das bisherige Leben zurückblickt, das geprägt war von Rückschlägen und einer Krankheit? Eine orthopädische, angeborene. Eine, bei der die Ärtze immer vergebens versuchten, sie zu korrigieren. Wie fühlt sich nun dieses Kind, das operiert wurde, Monate im Gips liegt, obwohl es eigentlich zu Hause sein und laufen lernen müsste? Noch viel später wird das Kind schreien, wenn die Mutter weiße Sachen an hat, weil es dadurch immer wieder an die Krankenhauszeit erinnert wird. Dieses Kind lernte laufen, wenn auch später als manch anderer. In der Schule konnte es nie mit den anderen Kindern laufen und spielen, weil es wieder operiert wurde, und nun kleine rote Stützen hatte. Wie fühlt sich nun dieses Kind, dass in den Pausen im Klassenraum bleiben muss, dessen Stützen von anderen Kinder weggenommen werden? Auch später wird es nicht besser. Der liebste Onkel scheidet aus dem Leben, kaum zu verstehen im Kindesalter…

Das Kind, zum Jugendlichen herangewachsen, wird nach wie vor gehänselt. „Humpelkacke“ oder „Holzbein“, aber das macht nun schon gar nichts mehr aus. Wie fühlt nun dieser Mensch, der gerade dabei ist, seinen Platz im Leben zu finden, und ständig an seine körperlichen Grenzen stößt?! Eine Ausbildung, recht vielversprechend. Muss jeder machen – wurde auch gemacht. Schon währenddessen machte sich bemerkbar, dass diese Ausbildung wohl doch nicht so vielversprechend war. Fachhochschulreife – ja, das war genau das Richtige! Weitere Kenntnisse, ein Jahr weniger arbeitslos, besser gebildet. Ein Arbeitsplatz blieb danach leider trotzdem aus. Wie fühlt sich nun ein Mensch, der in seinem Leben 13 Jahre lang gelernt hat, und nun keine Chance auf ein Berufsleben bekommt?! Was sich anschließt sind Bauernfängerei-Stellenanzeigen. Versicherungsverkäufer, mal einen ein Euro Job bei einem Blinden in einem Servicebüro. Ganz nett, aber statt Schreibbüro nur Toilette putzen und Kaffee kochen. Muss aber gemacht werden, sonst gibt es 30% Kürzung des Arbeitslosengeldes. Dann – ein Lichtblick. Stellenvermittlung – Einstellungstest. Dann entpuppt sich das Ganze als Callcenter. Wie das wohl wird? Nicht aufgeben! Wie fühlt sich nun ein Mensch, der wie rund 400 andere auch, in einem Callcenter landet, ohne Verdienst täglich schuftet und Bücher und Elektroschrott verkaufen soll? Was ist das für ein Gefühl, ständig jemanden hinter sich zu haben, der darauf pocht, dass man seine Tagesumsätze verdreifacht? Nur noch mit der Angst im Nacken geht man dorthin, von Menschlichkeit ist in diesem Unternehmen keine Spur! Und dann – Erlösung… Zu wenig Umsatz, also wieder arbeitslos.

So geht das weiter, vom Einen zum Anderen. Paktikum hier – Probearbeit da. Wie fühlt es sich nun an, wenn man plötzlich einen 1 Euro Job in einem Klinikum auf einer Intensivstation antreten muss? Mit einem gelernten Bürojob und körperlicher Eingeschränktheit. Schrecklich, die Patienten auf dieser Station sterben zu sehen… Leute, die angeschlossen sind an Maschinen, die deren Blut waschen. Menschen, die todkrank sind, über die im Ärztezimmer gelacht wird. Menschen, die viel zu viele Emotionen auslösen. Wie fühlt man sich, wenn man in der Zeitung liest, dass der nette Herr, der sich gestern noch dafür bedankte, dass er gewaschen wurde, heute gestorben ist? Nein, nicht geboren für einen solchen Job. Der nächste auch nicht besser. Kundenbegleiter im Heimtex-Fachmarkt. Wie fühl sich nun ein Mensch, der auf 400 Euro Basis arbeitet, und das selbe tun muss, wie die anderen Verkäufer? Und das ohne Produktkenntnisse, 10 Stunden am Tag, der Körper will kaum noch stehen. Und so geht das immer weiter, immer und immer wieder… Am Grab muss man sich von seinem Opa verabschieden. Vergänglichkeit – man wird ihrer gewahr, meist zu spät.

Der nächste Job scheint besser, wieder Callcenter, aber wenigstens nichts verkaufen. Und dazu noch ein Lichtblick – Liebe! Wie fühlt sich das an, wenn man einen Job hat, wo man endlich Geld verdient, und dazu noch Jemandem begegnet, in den man sich augenblicklich verliebt? Im Herbst dann wieder mal eine große Operation, 6 Stunden, höchstes Risiko. Wie fühlt sich ein Mensch, der seinem Arbeitgeber ehrlich gesagt hat, dass er für ein halbes Jahr nicht arbeiten kann, und dann am nächsten Tag eine Kündigung in den Händen hält? Aber eine Person ist an seiner Seite, die nicht nur den schönen Sommer da war, sondern auch in schlechten Zeiten da ist.

Doch dann zerbricht alles, was noch konstant war. Wie fühlt sich ein Mensch, der nach einem halben Jahr wunderbarster Beziehung von seinem Partner gesagt bekommt, dass dieser nie Liebe empfand?!

Wie fühlt sich nun genau jener Mensch, wenn er auf das Geschehene zurückblickt? Wenn er daran denkt, dass er alles verlor, dass er krank ist, bisher nie eine Chance bekam, sich in der Berufswelt zu beweisen?

Was ist das für ein Gefühl, nicht gesund zu sein, keine Aussicht auf Arbeit zu haben und dann auch noch von dem so sehr geliebten Partner allein gelassen zu werden?

Ich brauche mir das nicht vorstellen, das ist mein Leben…

Das ist kein Selbstmitleid. Ich habe viel nachgedacht, meine Lage analysiert, sachlich alles für mich zusammengefasst. Das Resumee war erschreckend. Nüchtern musste ich feststellen, dass ich nichts habe, wofür ich lebe, oder wofür es sich zu Leben lohnt. Einzig und allein meine Familie ist mein letzter Anker auf stürmender See…


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